Der MoorFutures-Standard

Eine Analyse des deutschen Marktes zur freiwilligen Kompenastion von Treibhausgasen der Deutschen Emissionshandelsstelle ergab, dass Nachfrager im Kompensationsmarkt ein Unterangebot bei Zertifikaten aus Deutschland und insbesondere bei Moorprojekten sehen. Um für diesen Bedarf ein regionales Angebot zu schaffen, wurde der MoorFutures-Standard entwickelt. Ein Standard legt alle spezifischen Anforderungen für die Entwicklung von Projekten, der Zertifizierung und die Projektbetreuung fest.

 

Die MoorFutures-Kriterien sind transparent und beruhen auf den Prinzipien des Verified Carbon Standard (VCS), dem dominierenden Standard im freiwilligen Kohlenstoffmarkt. Sie werden extern von wissenschaftlichen Einrichtungen überprüft (Verifizierung). In Mecklenburg-Vorpommern verifiziert die Universität Greifswald die potenziellen Emissionsreduktionen und prüft die Einhaltung des Standards. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH) Eberswalde übernimmt diese Aufgabe in Brandenburg, die Universität Kiel zukünftig in Schleswig-Holstein.

 

Mehr Informationen finden Sie im BfN-Skript 350 in Kapitel 4.

 
  1. Zusätzlichkeit: MoorFutures-Projekte sind zusätzlich, d.h. ohne den Verkauf der MoorFutures-Zertifikate würden sie nicht umgesetzt werden.
  2. Bezugsraum: Die Lage und räumliche Ausdehnung jedes MoorFutures-Projektgebietes ist eindeutig definiert, um akkurates Monitoring, Berichterstattung und Verifizierung der Treibhausgas-Flüsse und gegebenenfalls der Zusatzeffekte zu ermöglichen.
  3. Projektlaufzeit: Die Laufzeit von MoorFutures-Projekten ist festgelegt und beträgt 50 Jahre. Alle Projekte müssen einen glaubhaften und robusten Plan für das Management und die Umsetzung der Maßnahmen während der gesamten Projektdauer haben.
  4. Messbarkeit: MoorFutures-Projekte verwenden robuste, detaillierte und wenn möglich extern validierte und wissenschaftlich anerkannte Methodologien, um die Projektergebnisse einzuschätzen.
  5. Verifizierbarkeit: Monitoring und Verifizierung werden durch eine unabhängige regionale wissenschaftliche Einrichtung abgesichert. Die Methodologien und Ergebnisse der MoorFutures-Projekte stehen für Validierung und Verifizierung durch Dritte zur Verfügung.
  6. Konservativität: Die Einschätzung der Projektergebnisse erfolgt auf allen Ebenen konservativ.
  7. Vertrauenswürdigkeit: MoorFutures sind direkt mit Projekten verbunden, die vor Ort besichtigt werden können. Für jedes Projekt gibt es eine verständliche Dokumentation mit Informa-tionen zu Lage und Status des Projektgebietes sowie der Berechnung der Emissionsein-sparung und gegebenenfalls Effekte auf weitere Ökosystemdienstleistungen. MoorFutures sind auf regionaler Ebene durch regional koordinierende Einrichtungen registriert.
  8. Nachhaltigkeit: In MoorFutures gibt es ein Verschlechterungsverbot. Einerseits darf die Verbesserung in Bezug auf eine Ökosystemdienstleistung (Klimawirkung) nicht zu negativen Effekten auf andere Ökosystemdienstleistungen führen. Andererseits dürfen die Verbesserungen in Bezug auf Ökosystemdienstleistungen die sozio-ökonomischen Verhältnisse der Region nicht verschlechtern. Letzteres ist von geringer Relevanz, solange nur kleine Projektgebiete wiedervernässt werden.
  9. Permanenz: Die Permanenz der zertifizierten Umwelteffekte der MoorFutures wird durch adäquaterechtliche, planerische undvertragliche Instrumente abgesichert, die sich von Region zu Region unterscheiden können. Die Permanenz der MoorFutures wird abgesichert durch: a) die planerische und rechtliche Sicherung der Maßnahme - im Regelfall durch die Projektzulassung im Rahmen des jeweils gebotenen Verfahrens, b) die Sicherung der dauerhaften Flächenverfügbarkeit. Diese erfolgt entweder durch den Erwerb der Flächen oder durch Eintragungen im Grundbuch.
  10. Emissionsverlagerung: Durch die Nutzungsaufgabe in einem wiedervernässten Moor darf keine Innutzungsnahme eines anderen, zu diesem Zweck entwässerten Moor erfolgen.